Projektleiter Klaus Wewering über die aktuelle Planung

Die Vorbereitungen zur Abgabe des Antrags auf Bundesfachplanung laufen auf Hochtouren. Projektleiter Klaus Wewering spricht im Interview über die Herausforderungen der vergangenen Monate und gibt einen Ausblick auf die Veröffentlichung des Vorzugskorridors.

Herr Wewering, das Projekt A-Nord steht kurz vor der Bundesfachplanung und startet im März 2018 in das formelle Genehmigungsverfahren. Wenn Sie auf die vergangenen Monate zurückblicken: Wie zufrieden sind Sie mit dem bisherigen Projektverlauf?

Klaus Wewering: Dieses große Infrastrukturprojekt ist und bleibt eine enorme Herausforderung für alle Beteiligten. Dass wir bisher voll im Zeitplan liegen, spricht für die gute Arbeit, die das Projektteam bisher geleistet hat. Ich blicke allerdings gerne nach vorne – und dabei sehe ich, dass noch eine Menge Schritte zu gehen sind. Wir dürfen daher nicht nachlassen und werden auch in den folgenden Projektphasen alles dafür tun, um bei A-Nord unseren eigenen Qualitätsansprüchen gerecht zu werden. Den Menschen vor Ort werden wir dabei weiterhin den Trassenfindungsprozess transparent erläutern.

Wie nehmen Sie die Gespräche wahr, die Sie in der Planungsregion führen?

Klaus Wewering: Was wir schon früh gemerkt haben: Grundsätzlich erfährt das Erdkabel in der breiten Öffentlichkeit eine höhere Akzeptanz als Freileitungen. Aber auch da müssen wir genau hinschauen. Viele Landwirte stehen der Erdverkabelung nicht so positiv gegenüber. Der Eingriff in den Boden, der ohne Zweifel da ist, wenn wir die Kabel verlegen, muss mit der nötigen Sorgfalt vorgenommen werden. Bodenschutzkonzepte und bodenkundliche Baubegleitung sind hierbei wichtige Bausteine, um den Boden wieder erfolgreich zu rekultivieren. Unser Anspruch ist es, die Flächen in vorgefundener Qualität zurückzugeben. Dass dies funktioniert, haben wir bereits in Raesfeld und Borken gezeigt. Dort können wir mit der Rekultivierung der Flächen sehr zufrieden sein.

Wie ist die Phase des Bürgerdialogs bisher insgesamt verlaufen?

Klaus Wewering: Sehr erfolgreich. Wir haben im Sommer 2017 mehr als 50 Veranstaltungen angeboten und uns intensiv mit Bürgerinnen und Bürgern sowie Trägern öffentlicher Belange ausgetauscht. Bei diesen Veranstaltungen hatten wir mehr als 1.500 Teilnehmer. Von ihnen haben wir mehr als 500 Hinweise erhalten, die wir für unsere Planung sorgfältig geprüft haben. Die Gespräche liefen in der Regel konstruktiv und sachlich ab – auch dort, wo bereits früh ein gewisser Widerstand zu erkennen war. Das hat uns gezeigt, dass wir auch mit den von uns ausgewählten Dialogformaten richtig gelegen haben. Daran werden wir festhalten und Anfang 2018 wieder Bürgerinfomärkte anbieten und auch wieder mit unserem Bürgerinfomobil unterwegs sein. Alles natürlich ein wenig orientiert an dem Verlauf des Vorzugskorridors, den wir vorstellen werden.

Wie fällt die Entscheidung auf Ihren Vorzugskorridor?

Klaus Wewering: Der Vorzugskorridor entsteht durch klar vorgegebene Planungskriterien. So ist es wichtig, möglichst kurze und geradlinige Korridorverläufe zu finden. Dabei müssen wir aber die Raumwiderstände, wie Siedlungen oder hohe Naturschutzgebiete, berücksichtigen. Die drängen uns dann immer wieder von dieser geraden Linie weg. Zudem hat der Gesetzgeber uns für unsere Planung das Bündelungsgebot an die Hand gegeben. Es besagt, dass eine neue Trasse möglichst entlang bestehender Infrastrukturen geführt werden soll. Das sind in erster Linie bereits bestehende Leitungen im Strom-, Gas- und Ölbereich. Das können aber auch Autobahnen, andere größere Straßen oder Bahnstrecken sein. Das Ziel ist es, landschaftliche Freiräume zu erhalten und neue Belastungen zu minimieren. Eine Bündelung kommt jedoch nur dort zum Tragen, wo sich keine bessere technische oder raumplanerische Alternative bietet.

Wie werden Sie den Vorzugskorridor konkret kommunizieren?

Klaus Wewering: Die eben angesprochenen Kriterien sind das eine. Aber einen entscheidenden Einfluss auf unsere Planung hat auch die intensive Auseinandersetzung mit den regionalen Besonderheiten gehabt - also die zahlreichen Hinweise, die wir in hunderten Gesprächen oder schriftlich erhalten haben. Diesem wollen wir Rechnung tragen und daher in der Planungsregion noch einmal ausgiebig erläutern, wie der Vorzugskorridor hergeleitet wurde. Wir werden daher entlang des Vorzugskorridors acht Bürgerinfomärkte anbieten. Hier gibt es für die Bürger die Möglichkeit, persönlich mit unseren Planern ins Gespräch zu kommen, um unsere Entscheidung nachvollziehen zu können. Hinzu kommen mehr als 20 Stopps mit dem Infomobil. Auch dort wird es einen intensiven Austausch geben und die Gelegenheit, gemeinsam auf die Karte zu schauen. Wir werden also erneut, wie im Sommer 2017, eine breite Fläche mit dem Dialog abdecken. Wir wollen allerdings nicht nur den aktuellen Planungsstand darstellen. Wir wollen auch die nächsten Schritte und Beteiligungsmöglichkeiten im formellen Verfahren aufzeigen, das dann im März startet. Denn wichtig ist: Durch die Bekanntgabe des Vorzugskorridors ist die Entscheidung keineswegs gefallen. Der Vorzugskorridor ist als Vorschlag von Amprion zu verstehen. Am Ende trifft die Bundesnetzagentur die Entscheidung, berücksichtigt dabei alle vorgetragenen Belange und wertet dafür auch die Alternativtrassen zu der Vorzugsvariante aus. Im Rahmen der Antragskonferenzen hat dabei jeder die Möglichkeit, sich in das formelle Verfahren einzubringen.